Strada Nora

2021

Nachdem coronabedingt im Jahr 2020 betreffend den Sicherheitsvorschriften keine Übernachtung möglich war, konnte dieses Jahr die Zweitagesfahrt wieder mit einer Übernachtung stattfinden. Aber alles der Reihe nach.

Am Freitag, den 27. August 2021 versammelte sich eine muntere Schar von Motorfahrern im Log Center Rothenburg. Nach der Zertifikat- und Ausweiskontrolle sowie Begrüssung durch die Übungsleitung, Vorstellung des Übungsablaufes etc. konnten wir die Fahrzeuge übernehmen. Ja ohne Witz, stand da auch ein 10DM Saurer-Veteran bereit und wartete auf eine Crew. Und dieser wurde schnell in Beschlag genommen, denn wer weiss, wie lange dieses Fahrzeug noch gefasst werden kann - also gleich zugreifen.

Alsdann ging es via Eschenbach auf die Autobahn, um möglichst bald einmal aus den Staubereichen um Luzern heraus zu kommen. Zügig fuhren wir Richtung Zug, dann über den Hirzel hinunter auf die Autobahn Richtung Pfäffikon und weiter bis Reichenburg, wo die Autobahn verlassen wurde, um dann den Rickenpass in Angriff zu nehmen. Das Wetter war zwar etwas kühl, aber ohne Regen. Der 10DM war in den Steigungen dem IVECO 4x4 überlegen und zog elegant durch die Kurven über den Pass runter nach Wattwil. Hier bogen wir ab und fuhren via Ebnat-Kappel nach Nesslau, um über Unterwasser das Ziel in Wildhaus anzusteuern. Mittlerweilen war es bereits dunkel geworden und da ja, wie die Übung STRADA NORA heisst, waren wir nun wirklich auf einer Nachtfahrt.

In Wildhaus, einem langgezogenen Dorf und auf dem höchsten Punkt, geht die Strasse dann wieder runter Richtung Rheintal. Doch, bevor wir so weit waren, kündigte ein GMMU-Jalon einen Richtungswechsel an. Leicht bergauf erreichten wir dann einen grossen Parkplatz, wo wir von der Übungsleitung eingewiesen wurden. Ordentliche Parkordnung, Fahrzeugsicherung und Abschliessen der Kabine waren die nächsten Schritte, bevor wir uns mit dem Rucksack geschultert auf den Weg zur Unterkunft machten.

Die Siedlung heisst Gamplüt und besteht aus mehreren Gebäuden, und auch sogar eine Seilbahn mit Bergrestaurant gehört dazu. Der Namen Gamplüt setzt sich aus den lateinischen Wörtern campus «Feld», alträtoromanisch champ «Feld» und palus, paludis «Ried, Sumpf», alträtoromanisch palüd «Ried» zusammen. Romanisches champ de palüd wurde im Schweizerdeutschen lautgerecht zu Gamplüt. Übrigens ist auch privat eine Übernachtung und allenfalls verbunden mit einer Bergwanderung nur zu empfehlen.

Schnell waren die Zimmer bezogen und nun erwarteten uns feine Käse- und Fleischplatten und selbstverständlich auch etwas Flüssiges, um die durstigen Kehlen zu befeuchten. Um 23.30 Uhr kehrte Stille ein und nur Schnarchen aus den verschiedenen Zimmern deutete noch auf unsere Anwesenheit hin.

Am Samstagmorgen um 07.00 Uhr war Frühstück angesagt. Dieses stand in Form eines Buffets bereit und war köstlich. Punkt 08.00 Uhr war dann Besammlung auf dem Parkplatz und die Befehlsausgabe für die nächste Strecke. Nur 10° C auf 1100 Meter Ende August, wahrlich nicht gerade ein Highlight. Aber wir haben ja da noch die warmen Fahrzeugkabinen.

Ab Wildhaus fuhren wir zurück bis Neu St. Johann, um dann die Steigung Richtung Schwägalp in Angriff zu nehmen. Wenig Verkehr und eine gut ausgebaute Strasse liessen uns bald den Scheitel der Schwägalp überqueren, um dann via Urnäsch und St. Peterzell über die Wasserfluh nach Lichtensteig (nicht Lichtenstein) zu gelangen. Kaffeepause gab es keine, nur Fahrerwechsel, da das Ziel in Höri doch noch ein paar Kilometer weit weg war. Die Übungsleitung hatte uns etwas Besonderes angekündigt, und natürlich waren wir voller Erwartung, was uns denn da so erwarten sollte.

In der Industriezone parkten wir die Fahrzeuge und besammelten uns vor einem Gebäude. Hier wurde nun das Rätsel gelöst. Christoph Wolleb, Ehrenmitglied VSMMV und auch Ehrenmitglied bei den Zürcher Kameraden hat dort eine Sammlung alter Militärfahrzeuge wie Henschel, D330 Saurer Kipper, alte Postautos, Gottwald Kran etc. Diese Fahrzeuge werden vor Ort restauriert, gepflegt und gewartet. Die Freude war dann gross, als bekannt wurde, dass der Henschel auch gefahren werden durfte. Schnell war dieses Fahrzeug belegt und diverse Runden mit hoch- und runterschalten in der Industriezone wurden gefahren.

Das nicht synchronisierte ZF Getriebe war den älteren Kameraden noch bekannt und musste mit Doppelkuppeln und Zwischengas gefahren werden, um die Gänge geräuschlos zu wechseln. Aber eben, alles hat ein Ende und das Mittagessen stand an. So mussten wir uns leider bald einmal wieder bei Christoph verabschieden, aber nicht ohne ihm eine Flasche Wein und ein GMMU Wimpel zu überreichen. Allen hat es riesig Spass gemacht und Martin mussten wir fast von dort wegzerren, wäre er doch noch gerne viel länger mit den historischen Fahrzeugen herumgekurvt. Herzlichen Dank an Christoph und er würde uns auch mal privat seine Fahrzeuge im Detail vorstellen.

Eine kurze Verschiebung brachte uns zum Restaurant Frieden in Bülach, wo wir ein feines Mittagessen zu einem fairen Preis vorgesetzt bekamen. Nach dem Kaffee und eine Stunde später nahmen wir den Rest der Fahrstrecke in Angriff. Via Gubrist und dann über den Mutschellen erreichte wir Bremgarten um alsdann via Boswil - Abtwil und durch Rothenburg ins Logcenter zurückzufahren.

Erstaunlich, wie alle auf Zeit vor dem Eingangstor eintrafen. Dann ging es an die üblichen Arbeiten wie Auftanken, Abspritzen, Papiere ausfüllen, Fahrzeuge wieder ordentlich abstellen, Waschplatz aufräumen, etc. Um 17.00 Uhr konnten die Übungsleitung unter Matthias und Herbert eine leicht müde, aber sehr zufriedene Schar Motorfahrer in das wohlverdiente Wochenende entlassen. Herzlichen Dank an die Organisatoren und diese Übung wurde mit einem grossen Beifall den Organisatoren verdankt.

Fast 350km unfallfreie Fahrt waren absolviert worden. Danke an alle, die so diszipliniert gefahren sind und die gute Kameradschaft während diesen beiden Tagen. So macht die STRAD NORA Spass und was wird uns die nächste STRADA-NORA 2022 bringen? Egal, sicher werden wir wieder dabei sein und freuen uns schon heute auf diesen Anlass.

Ein mehr als zufriedener Teilnehmer