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Einführung Mercedes-Benz G300 CDI

Copyright VBS/DDPS - ZEM (CC BY-NC-ND)

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Seit 1989 bewährt sich der Steyr Daimler Puch 230GE als leichtes, geländegängiges Motorfahrzeug bei allen Truppengattungen der Armee. Mit dem Rüstungsprogramm 2014 begann der Ersatz dieser Flotte durch Neufahrzeuge des Typs Mercedes-Benz G300 CDI, die konzeptionell identisch aber technisch wesentlich weiterentwickelt sind. Geplant ist die Beschaffung von insgesamt 3'200 dieser Geländewagen bis 2022. Grund für den Ersatz sind die gestiegenen Instandhaltungskosten und die erschwerte Beschaffung von Ersatzteilen. [1]

Rückblick auf den Puch 230GE

Die Geschichte des Puch bei der Armee begann mit der Erprobung im Rahmen des Rüstungsprogramms 1988, in dessen Folge 4'100 Fahrzeuge für 164.8 Mio. Fr. beschafft wurden. Besonderheiten des neuen Geländewagens waren sein Automatikgetriebe sowie die Abgasnachbehandlung mittels Katalysator. Die Eignung des Katalysators für den militärischen Einsatzbildete einen Schwerpunkt der Truppenerprobung. Die bei Steyr Daimler Puch im Österreichischen Graz bestellten Fahrzeuge wurden in jährlichen Tranchen zu 600 Stück zwischen September 1989 und April 1996 an die Armee ausgeliefert. [2] [caption id="attachment_3877" align="alignnone" width="525"] Puch 230GE am Brünigpass[/caption] Mit dem Rüstungsprogramm 1993 wurden weitere 1'200 Fahrzeuge bestellt, in erster Linie um die Geländelieferwagen vom Typ Haflinger zu ersetzen. Die Truppenerfahrungen mit den bis dahin in Dienst gestellten Puch wurden als durchweg positiv beschrieben. Das Fahrzeug habe sich bei der Truppe bewährt. Besonders hervorgehoben wurden sowohl die höhere Leistungsfähigkeit als auch die einfache Handhabung. Die zweite Beschaffungstranche war technisch identisch. [3] Eine Besonderheit der Version für unsere Armee war die Benzinmotorisierung. Bereits zu dieser Zeit wurden im militärischen Bereich Dieselfahrzeuge bevorzugt.

Die Fahrzeuge im Vergleich

Die optische Ähnlichkeit beider Fahrzeug kommt nicht von ungefähr. Der neue Mercedes-Benz G300 CDI (Baureihe W463) stammt aus demselben Werk in Graz (heute Magna International) und ist technisch eine Weiterentwicklung der früheren Baureihen W460 bzw. W461 (unter anderen auch Puch 230GE). Das Grundkonzept in Bezug auf Bauweise, Fahrwerk und Antrieb ist in seinen wesentlichen Zügen gleich geblieben.

Karosserie, Fahrwerk und Antrieb

Die Karosserie beider Fahrzeugen ist auf einem Leiterrahmen montiert, verfügt aber neu über fünf Türen (Puch nur drei). Das Blachenverdeck des Puch wurde durch eine geschlossene Karosserie ersetzt. Der Mercedes G300 ist zudem mit einem Dachgepäckträger ausgestattet, der 105 kg Nutzlast bietet und über eine seitlich einzuhängende Leiter zugänglich ist.  Zahlreiche Puch-Motorhauben  wurden durch unsachgemässes Betreten über die Jahre eingedrückt. Die begehbare Motorhaube des neuen Fahrzeugs soll nun eine Person tragen können (maximale Last 120 kg). Das Fahrwerk ist übereinstimmend aus Starrachsen mit Längslenkern und Panhardstab aufgebaut. Der Antrieb erfolgt jeweils über einen klassischen Getriebeautomat mit Drehmomentwandler auf ein Verteilergetriebe mit Untersetzung und schliesslich zwei Gelenkwellen auf jeweils eine der Achsen. Auch der neue Mercedes G300 ist wie sein Vorgänger mit einer Kugelumlauflenkung mit Servounterstützung ausgestattet. Im Unterschied zum Puch 230GE verfügt der Mercedes G300 über permanenten Allradantrieb mit Längssperre (Puch nur zuschaltbar) sowie zusätzlich auch an der Vorderachse über eine Differentialsperre (Puch nur hinten). Insgesamt ist das neue Fahrzeug leer zwar eine halbe Tonne schwerer, bietet aber gleichwohl nur 50 kg weniger Zuladung. Dadurch stieg das zulässige Gesamtgewicht auf die in dieser Fahrzeugkategorie maximal möglichen 3'500 kg.

Vergleich in Zahlen

Ein Grossteil der technischen Daten beider Fahrzeug bewegen sich im vergleichbaren Rahmen. Die wichtigsten Zahlen in der Übersicht:

FahrzeugPuch 230GEMercedes-Benz G300 CDI
Leergewicht2'200 kg2'750 kg
Nutzlast800 kg750 kg
Anhängelast gebremst2'500 kg3'500 kg
Länge4.63 m4.70 m
Breite1.70 m1.77 m
Höhe2.08 m2.21 m
Sitzplätze total84
BetriebsstoffBenzinDiesel
MotorbauartR4, saugendV6, aufgeladen
Leistung85 kW135 kW
Hubraum2.3 l3.0 l
Höchstgeschwindigkeit100 km/h120 km/h
Allradantriebzuschaltbarpermanent

 

Motorisierung

Die Motorisierung des Mercedes G300 CDI bedeutet eine wesentliche Verbesserung. Eine Schwäche des Puch war die Kombination aus einem recht drehmomentschwachen Benzinmotor mit einer vierstufigen Automatik und einer langen Gesamtübersetzung. Der neue Antrieb mit drehmomentstarkem Dieselmotor vom Typ OM642 und Turboaufladung sowie dem zusätzlichen fünften Gang dürfte auch bei Ausnutzung des Gesamtzuggewichts genügen und einfacher zu fahren sein. Eine weitere Neuerung betrifft den Ansaugtrakt. Während die Puch 230GE die Verbrennungsluft direkt unter der Motorhaube (vorne rechts) ansaugten, verfügen alle Mercedes G300 über einen Schnorchel an der rechten A-Säule. Schwallbleche gehören allerdings nicht mehr zur Fahrzeugausstattung.

Bremsanlage und aktive Sicherheit

Während der Puch weder über ein Antiblockiersystem (ABS) noch über ein elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP) verfügte, ist der neue Mercedes G300 mit beidem ausgestattet. Beide Systeme gehören heute zum Ausstattungsstandard und bedeuten ein deutliches Sicherheitsplus, ganz besonders bei schwierigen Strassenverhältnissen, hoher Beladung oder im Anhängerbetrieb. [caption id="attachment_4560" align="alignnone" width="525"] Mercedes G300 CDI[/caption]

Elektrische Anlage und Ausstattung

Der neue Mercedes G300 arbeitet grundsätzlich mit einer Bordspannung von 12V, wie dies auch bei zivilen Fahrzeugen heute Standard ist. Wie auch der Puch 230GE verfügt er über zwei Batterien von 12V Spannung, davon eine im Motorraum, eine zweite in der Mittelkonsole (Puch beide im Motorraum). Einzelne Steckdosen geben 24V ab. Die Fremdstart-Steckdose befindet sich neu im Motorraum (Puch neben Hauptschalter unter der Mittelkonsole). Die Steckdose an der Fahrzeugfront dient der Aufladung der Batterien. Der Mercedes G300 verfügt über eine Notstarteinrichtung zum Anlassen auf der zweiten Batterie. Ein Anschleppen des Fahrzeugs ist hingegen nicht mehr möglich, weil eine Sekundärölpumpe am Wandler fehlt. Mit dem Starten des Motors werden beim Mercedes G300 automatisch Abblendlicht, Standlicht und Kennzeichenbeleuchtung eingeschaltet. Es handelt sich dabei jedoch nicht um ein Tagfahrlicht, sodass in der Dämmerung, bei schlechter Sicht und in Tunnels keine Umschaltung erforderlich ist. Das automatische Fahrlicht lässt sich deaktivieren. Das neue Fahrzeug ist ausserdem mit Radio und Klimaanlage ausgestattet.

Sitzplätze

Einen Einschnitt im Truppendienst bedeutet die Halbierung der verfügbaren Sitzplätze. Während der Puch 230GE über eine Zulassung für acht Personen verfügte, können im Mercedes nur noch vier Personen befördert werden. Die frühere Sitzordnung auf Längsbänken sowie die Abwesenheit von Sicherheitsgurten muss allerdings aus Sicht der passiven Sicherheit heutzutage deutlich kritischer beurteilt werden. Während der Tankinhalt praktisch unverändert blieb, dürfte die Reichweite durch den geringeren Verbrauch spürbar ansteigen. Hingegen entfällt die heckseitige Bidonhalterung, über die der Puch 230GE noch verfügte.

Ausbildung am neuen Fahrzeug

Militärische Fahrzeugführer benötigen für das neue Fahrzeug eine zusätzliche Ausbildung. Mitglieder der GMMU können diese Ausbildung im Rahmen einer eigenen Veranstaltung absolvieren, die im Frühling 2018 stattfinden wird. Angehörige der Armee im Dienst wenden sich an ihren VT-Verantwortlichen.

Danksagung

Der Artikel wurde mit Unterstützung des Kompetenzzentrums Fahrausbildung der Armee verfasst. Vielen Dank! Der vorliegende Artikel ist eine Zusammenfassung der Neuerungen anlässlich der Einführung des Mercedes G300 CDI. Er ersetzt keine Vorschriften und Reglemente der Armee oder die erforderliche Zusatzausbildung. Konsultieren Sie die offiziellen Dokumente.

[1] Rüstungsprogramm 2014
[2] Rüstungsprogramm 1988
[3] Rüstungsprogramm 1993
[4] Dokumentation 61.211 d